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Cadere starb zu früh, nach einer Karriere, die zehn explosive Jahre lang in Westeuropa gedauert hatte und deren einzige Konstante der Ausschuß und die Marginalisierung innerhalb des dominanten Zentrums Paris war. 1977 stellte er sich die rhetorische Frage, ob sich sein Werk wohl in gleicher Weise entwickelt hätte, wenn man ihn in der Position des Zentrums westlicher Kultur akzeptiert hätte. Notgedrungen hatte Cadere Präsentationsstrategien entwickelt, die ihn nun zum Hauptvertreter einer Kunstpraxis machen, die nicht allein die Grenzen des Mediums neu definiert, sondern auch den Kontex der Präsentation und Distribution von Kunstwerken miteinbezieht. Cadere steht für die Forderung nach totaler Autonomie des Künstlers und seines Werks gegenüber Institutionen, sucht aber auch die unmittelbare Teilnahme, den Berührungskontakt mit dem Werk und die direkte Diskussion. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kunstbetriebes, ob eingeladen oder sich selbst aufgedrängt, zog Cadere alle Aufmerksamkeit auf seine "Barre de Bois Ronde". Auf seine Spaziergängen führte er sein "Instrument" überall mit sich und hob damit seine Unabhängigkeit von Markt und Infrastuktur hervor, im Gegensatz zu vielen seiner kritischen Zeitgenossen, deren Werke in völliger Abhängikeit von der Kunst-Infrastruktur standen. Galerien setzte er anders für seine Zwecke ein, indem er sie nicht nur als neutrale Umgebung für seine minimalistischen Installationen nutzte. Er unterstrich den Netzwerk - Charakter gleichgestalteter Galerien, ihre Funktion als Informationszentrum, als gesellschaftlicher Treffpunkt und als Diskussionsforum.Die "Barre" ist ein Katalysator, ein Beschleuniger, die den Betrachter zwingt, bis zum äußersten seines Wahrnehmungsvermögens zu gehen. Der schnelle Wechsel der Farben , auf den ersten Blick, gleichartigen Sequenzen und die Tatsache, daß die Malerei auf eine Linie anstelle einer Fläche ("Zone" oder "Target") reduziert ist, veranlasst den Betrachter zur linearen Lektüre eines rational aufgebauten Systems. Die Transportierbarkeit läßt die "Barre" zwischen Malerei und Bildhauerei oszillieren. Als Skulptur ist sie nahtlose, maschinenhafte Perfektion. Ausgehend von sockellosen, minimallistischen Skulpturen trägt sie deutliche Kennzeichen eines Hand - Ganzen. Caderes Autonomie war automatisch an die Aktivierung der "Barre" gebunden, unter Teilnahme des Publikums und unter Einbeziehung direkten Kontakts und Sprechens, ohne Schutz von seiten institutioneller Autoritäten. Die ungewöhnliche Art seiner Auftritte löste ohnedies Diskussionen aus, und sollten sie ausbleiben, so initiierte er sie selbst. Die "Barre" stellt nicht nur ihren eigenen instabilen Status in Frage, sondern versetzt ihren Träger in eine ebenso instabile Position, indem er andauernd zu seiner eigenen Funktion und Position in Relation zu den Situationen, auf die er trifft, befragt wird. Caderes Drang, bestehende Systeme zu "ent - regeln", findet eine wörtliche Entsprechung in der Aufstellung des Permutationssystems, in dem ein Fehler vorkommen mußte. Unebenheit, Richtungslosigkeit und Unterbrechung waren für Cadere eine notwendigerweise zu befolgende Rationale. Seine Person hielt alle ambivalenten Programme im Gleichgewicht, nach dem Verschwinden seiner einnehmenden Persönlichkeit jedoch erfuhr seine Arbeit geringe und widersprüchliche Wertschätzung aufgrund des elektrischen und parasitären Charakters seiner Praxis.Sein "instrument", die "Barre de Bois Rond", zählt in Ihrer materiellen Erscheinung zwar zu den alltäglichen, aber konzeptuell verstörendsten Werken der Siebzigerjahre. Seine faszinierende Reise durch die Kunstwelt läßt sich am besten mittels einer Inszenierung seiner strengen Installationen illustrieren, mittels der Journalistischen Dokumentationen vieler Erinnerungsphotos festgehaltener Momente, mittels Filmen oder der Cartoons von J. Charlier. Es sind allesamt Aufnahmen von einem persönlichen Unterfangen, dem wir seinen verdienten Platz einräumen wollen.