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Emilio Vedova

EMILIO VEDOVA 1919 in Venedig, stets Zentrum seines künstlerischen Schaffens, geboren, hat Vedova, der als Autodidakt begann, eine beeindruckende Künstlervita vorzuweisen. Zur frühen Biographie gehören seine Verbindungen zu politischen Widerstandsbewegungen und seine Mitgliedschaft in der antifaschistischen Mailänder Künstlergruppe Corrente; 1955 sind erstmals Werke in Deutschland auf der documenta I in Kassel und in der Galerie Springer in Berlin zu sehen. In Berlin entsteht 1963 bis 1965 der Zyklus Absurdes Berliner Tagebuch, erstmals vorgestellt auf der documenta III. Die nächsten Jahre sind gekennzeichnet durch eine dichte Folge an Ausstellungen und Retrospektiven in den hochrangigsten Instituten, durch wiederholte Zusammenarbeit mit dem Komponisten Luigi Nono, ferner durch Vorlesungsreisen in den USA, Dozenturen und zahlreiche internationale Auszeichnungen.Seine eigenständige Bildsprache, die in impulsiven Skizzen nach venezianischen Architekturen ihre Anfänge hatte, ist eine stark gestische, spontane und hochpastose, die große Formate bis hin zum dreidimensional installierbaren Malgrund und Hell-Dunkel-Kontraste bevorzugt. Anders als beim amerikanischen action painting bleibt die im Schaffensprozess sich kristallisierende Signatur des Pinsel-Duktus unmittelbar erhalten und nachvollziehbar. Auch in diesem Hinblick sind Vedovas Arbeiten "Zeugnisse einer Haltung" (Salvadè). Der schöpferische Vorgang ist gegenwartsorientiert in dem Sinne, dass die künstlerische Arbeit das Bewusstsein der politischen und kulturellen Verhältnisse voraussetzt. Das Absurde Berliner Tagebuch 64, steht exemplarisch für dieses dialektische Selbsverständnis des Künstlers in seiner Umwelt. "Die Arbeiten sind gebaut - und diese Strukturen sind die Strukturen meines Bewusstseins"(Vedova). Ein baulicher, architekturaler Charakter ist in der Kunst Vedovas immanent, sei es, weil die Farbtexturen sich in labyrinthischer Ordnung, imaginativer Logik öffnen und verstellen, sei es, weil die Malfläche selbst den Raum erobern und im begehbaren Raum Spuren äußerer Veränderung, nicht selten gewollter Zerstörung tragen. So theatralisch die malerische Geste Vedovas wirken kann, nie bleibt das Pathos bloße Deklamation, stehts unterliegt es der Disziplin der Bildmittel, der streng begrenzten Palette und dem Ethos eines oft lyrischen Titels oder einer poetischen Durchdringung wie im Fall der Serie "Aus dem Augenrund". In jedem Fall ist es die unerbitterliche Dynamik der Linienführung, der élan vital explosiver Farbgebärden, der über das 20. Jahrhundert hinaus Vedovas rigorosen Stil prägt, auf der Suche nach dem authentischen Ausdruck, der den eine intensiven verletzbaren Augenblick des Schaffens im unverletzbaren Kunstwerk zeitlos bannt.