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Fritz Bornstück

EIN MILCHZAHN NAMENS MOFA:

Unterwegs mit Fritz Bornstück

 

"Da hat selbst Don Quichot die Schnauze voll" schreibt der Berliner Künstler Fritz Bornstück unter drei grobskizzierte Windmühlen und seinen armen Ritter der besonderen traurigen Gestalt. "MPFF" ruft der noch, sich abwendend. Und Bornstück selbst hat es ja auch nicht leicht, mit der kränkelden alten Dame namens Malerei Liebesnächte zu verbringen: Öfter kommt es derzeit dabei zur Not-OP, ausgestattet nur mit ordentlich Ölpaste und guten Humor.

 

Doch auch wenn er heute noch als gleichermaßen unehelicher wie unwahrscheinlicher Sohn Asger Jorns und Martin Kippenbergers Bilderwelten und Weltbilder verarztet, ist er morgen schon wieder ganz woanders unterwegs. Dann collagiert er Kalenderschnipsel oder schraubt im Neuköllner Heimstudio aus Essenzen seiner Notizhefte halbstündige Hörspiele zusammen, aus denen es "Kauf dir doch ein Auto!" tönt.

 

Letzte Woche hingegen war er zusammen mit Freunden noch Musikverleger und brachte auf dem hauseigenen Motobol-Label "Musik zum Duschen" auf den Markt, ein Sampler den die Welt auch noch nicht gehört hatte: Von Sci-Fi-Grindchor aus Karlsruhe bis zu elektrischen Fieldrecordings aus Off-Berlin war ungefähr alles drauf. Ähnlich interessant wie das Drin das Drumherum: Gewidmet sind die Abenteuer in Lo-Fi nähmlich einem der vielen verschollenen Provinz-Genies, die irgendwo im Traunus zwischen Budenbetrieb und Kunsthobby Acid House erfunden haben könnten oder auch nicht -  die Spuren jenes etwas exotischen Grenzgängers verwischen sich bei genauer Betrachtung und auch im zusammenkopierten Booklet nur unzureichend gesichert.

 

Sicher ist hingegen, dass Bornstücks Bilderwurstfabrik nichts so schnell entkommt; ob es "der Fuß der Geliebten" ist oder "lecker Eis" oder "Pommes Rot-Weiß", der Künstler nimmt es und sich auch selbst auf Korn. Diese Arbeit im Dauerdienst, die noch den absurdesten Fundstücken einen neuen Dreh verleiht, mag außen stehenden Betrachtern anstrengend erscheinen - von innen sieht die Wirklichkeit ganz anders aus und erinnert an seine Zeichnung des Windmühlenbezwingers: Dessen wackerer Rosinante nämlich lässt er vermittels eines kurzen Filzstiftstrichs ein verschmitztes Grinsen andeuten - wohl weil sie ahnt, dass er es morgen wieder probiert.

 

C Gunnar Luetzow, Berlin 2008