Inhaltsbereich

Jan Mövius (1976 in Strausberg), ein ausgebildeter Bronzeziseleur, studiert seit 2004 Malerei an der Universität der Künste (UdK) Berlin.
In der Ausstellung präsentiert er großformatige neofigurative Bilder, deren literarisch anmutenden Titel die Auseinandersetzung des Malers mit den anderen Kunstgattungen verraten. Tatsächlich interessiert er sich auser Malerei auch für Literatur, Bühnenkunst und Film, die er in seinen Arbeiten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen lässt. Dabei geht es Jan Mövius weder um die Widergabe des Ihnhalts eines literarischen Werkes noch um die bloße Erzählung einer oder anderen Geschichte. Vielmehr ist es ein Prozess der Wahrnehmung, in dem der Künstler die Atmosphäre also die Essenz des Werkes langsam ergründet und nachempfindet. Gleichzeitig sucht er nach der kongenialen Bildgestalt, die er mittels Form, Farbe und Kompositionen sukzessiv entwickelt. Die eigenen Kindheitserinnerungen und Sinneseindrücke der Gegenwart fliesen gleichberechtigt mit hinein. Wie Blätter eines Buches breitet er seine wahrgewordenen Empfindungen neben- und übereinander aus, schichtet sie so, dass die einzelnen Formationen ineinander übergehen, miteinander korrespondieren, einander beeinflussen. Dieses aufeinander Reagieren gleicht einer chemischen Reaktion, in der aus diversen grundverschiedenen Komponenten etwas qualitativ Neues und Homogenes entsteht. Die vielfalt an filigran ausgeführten Details erfüllt das Ganze mit Leben und verhilft den Bildern zu ihrer raumgreifenden und organischen Wirkung. Die Kompositionen sind von einer inneren Bewegung erfüllt, sie verändern sich im Laufe der Betrachtung, manches entsteht manches vergeht. Dauernd tritt das Unerwartete hinzu: Formen, die zerfließen; Farben, die verfremden; Kompositionen, die umkippen; Perspektiven, die täuschen. Das Malerische geht ins Zeichnerische über, das Figurative ins Abstrakte. Die Grenzen von einer in die anderen Welt sind fließend. Wie durch den Wink eines Zauberstabs beginnen die festen Formen zu zerfallen und lösen sich in wunderschönen, duftigen Wirbeln aus Linien und Farben auf. Der Betrachter taucht in eine traumartige Bilderwelt ein, die in ihm eine Kette von Gefühlen, Erinnerungen und Assoziationen auslöst. Eine illusorische Welt der Kunst.
Dr. Elena Sadykowa