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Max Merkel

Max Merkel, geboren 1973 in Dorfgütingen/Feuchtwangen (Oberfranken), lebt und arbeitet in Berlin. Von 1998 bis 2001 studierte er Freie Malerei an der Kunsthochschule Alfter, seit Mai 2002 setzt er sein Malerei-Studium an der Universität der Künste in Berlin bei Prof. Wolfgang Pettrick fort. Neben der Teilnahme an den jährlichen Rundgängen der UDK zeigte er seine Werke zuletzt im August 2005 unter dem Titel "Der Agressor stibt zuletzt" in der Galerie "Kondensstreifen" in Berlin.


Die Arbeiten von Max Merkel zeichnen sich unter anderem durch zwei, sich im Kontrast wechselseitig steigernde Aspekte aus, eine physische Kraft oder Präsenz auf der einen und ein lakonischer Bildwitz auf der anderen Seite. In der großformatigen Leinwand-Arbeit "Tank" zum Beispiel tritt dem Betrachter aus dem Bild bedrohlich ein Elefant hervor: Es mag an den gespreizten Ohren liegen, die den Bildraum sprengen, oder am explosiven Gegensatz des Gelb und Karminrot oder auch daran, dass die Kreatur sich aus den herablaufenden Farbspuren wie aus einem Untergrund zu erheben scheint, - dem Koloss und mit ihm der Präsenz des Bildes lässt sich so schnell nicht entfliehen. Aus diesem Grund vielleicht haben im Gemälde ein Mann und eine Frau den Tatsachen ins Auge geschaut und sich mit dem Dasein des Unausweichlichen angefreundet. Unter dem den drohenden Eindruck mildernden Blick des einen rechten, weise schauenden Elefantenauges haben sie es sich in der Beuge seiner Stoßzähne wie in Hängematten bequem gemacht und - telefonieren. Solche zeitgemäßen "Liebespaare" hat Max Merkel in einer mit "Lovers" betitelten Reihe behandelt, immer anders, doch lässt ihre schemenhafte und wie erstarrte Darstellung und die Durchsichtigkeit des Farbauftrags erahnen, wie zu Schemen erblasst, was diese "Liebenden" einst verbunden haben mag. Aber auch das Bewusstsein dieses Mangels stärkt, in die grau-rosafarbenene Eleganz eines Autoausflugs getaucht, womöglich noch die melancholische Verbundenheit.
Auf anderen Bildern sind die Einflüsse der Pop Art und des Comic zu erspüren. Doch die "Maskottchen" , wie man die kleinen, in Max Merkels Arbeiten vielgestaltig wiederkehrenden Wesen vielleicht nennen könnte, spotten jeder eindeutigen Erkennbarkeit und ziehen sich mit maliziösem Lächeln aus der Schlinge, wenn die Kugel des Revolvers sie bedroht ("Mann mit Revolver", 2006). Zwar heißen manche dieser Bilder "Trophäen", doch erbeuten und erlegen lassen sich diese Tierchen nicht und frech präsentiert eines von ihnen dem Jäger und Betrachter aus seinen Comicfigurenaugen das Cave Canem seines überlegenen Lächelns.


Alle Arbeiten durchzieht eine, von jedem Betrachter für sich zu entdeckende Art künstlerischer Humor, ein Bildwitz, der sich mal scheinbar plakativ, mal sarkastisch gibt. Darin aber, dass sich daraus nirgends eine Aussage ableiten ließe, die sich nicht gleich wieder ironisch selbst in Frage stellen würde, mag gerade der Esprit, das Leichte und Beschwingte dieser farblichen sonst eher wuchtigen, keinesfalls zögerlichen Malerei liegen. Der Bildwitz hat etwas Schwebendes, bewusst Zielloses. So zum Beispiel in "Deutschland hat einen guten Ruf". Hier hat Max Merkel eine Art allegorisches Welttheater auf eine 140 mal 250 cm messende Holzfaserplatte gebannt, ein Atelier als Bild, ein Laboratorium graffitihaft verwischter Sprachfetzen und surrealer, unauflösbar verknäulter Formen. Alle ringen miteinander in dieser Arena des Absurden; selbst die Leitern, anstatt dass jemand zu Höherem an ihnen emporkletterte, verknoten sich und entwischen in Achterbahnen ins Unkontrollierbare, während sich dazwischen eine dämonisch anmutende, wie die Tierwesen der anderen Bilder schlau grinsende Biene mit einem Eimer Farbe davon macht, nicht etwa, um damit den erbeuteten Nektar der Kunst zu entführen, sondern, so lässt sich zumindest hoffen, um damit ein neues Bild zu füllen.

B.G. für OAZK, Dezember 2006