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So ist denn das Mittel der Entlarvung, das den Blick des Betrachters lenkend beeinflussen soll. Mehr noch, durch das jeweils Gezeigte, das sich von Bild zu Bild zu verdichten scheint, das von Handzeichnung zu Handzeichnung eine immer Konkretere Gestalt annimmt, entsteht für den Betrachter jene Vorstellungswelt, die man als innere Sicht bezeichnen könnte. Eine innere Sicht die Ludwig Wittgenstein mit dem Satz formulierte: "Was ich eigentlich sehe, muß doch das sein, was durch Einwirkung des Objekts zustande kommt". Und eben diese Einwirkung des Objekts, der Handzeichnungen, ist nicht nur im graphischen Erscheinungsbild, im Lineament begründet. Dieses vielmehr kann in seiner ganzen Tragweite zur Wirkung kommen, wenn sich Form und Inhalt zum Ganzen fügen, geht es doch um die Gestalt der Dinge. Das dabei zur Anwendung kommende Prinzip verläuft durchgängig auf zwei verschiedenen Ebenen, die scheinbar divergent sind. So löst das, was durch die Einwirkung des Objekts zustande kommt, trotz Verschiedenheit des Sujets bei den Handzeichnungen und den dreidimensionalen Objekten, dieselben Assoziationen und Vorstellungsinhalte aus. Und wenn auch die bewußt vorgetragene Gradwanderung einer erstarten Welt, deren Künstlichkeit von bedrohenden Zügen des Erschreckens geprägt ist, bei den Handzeichnungen zurückgenommen wird, so bleibt doch eine einheitliche Grunddisposition erkennbar. Eine Grunddisposition, die mit der Arbeit Wolfgang Stillers schon andeutungsweise beschrieben wurde. In den "Konservierungsmaßnahmen" wird man auch ein Festhalten jener Erscheinungsbilder zu vermuten haben, die vorgeblich moderner Sicht beinah schon ausgegrenzt sind. Sie festzuhalten und dem Betrachter in eindringlicher Weise zu vergegenwärtigen, hat sich Wolfgang Stiller zur Aufgabe gemacht. So gesehen ergibt sich zwischen der künstlichen Welt der Objekte und den Handzeichnungen ein fruchtbarer Dialog. Ein Dialog, der nicht nur, wie man vermuten könnte, auf drohende apokalyptische Vorstellungen abzielt, sondern auch den Tatbeständen einer noch existenten Welt gerecht wird. Unverkennbar bleibt in den Handzeichnungen dieser Zitatcharakter erhalten. Ein Zitatcharakter, der zwar seinerseits einem Wandel unterworfen ist, der aber stets, wie bereits angedeutet, den beiden großen Themenkreisen Mensch und Tier verpflichtet ist. Themenkreise, die über das Beschriebene hinaus jene Sichtfacettierungen vorbereiten, die man mit dem Oberbegriff Metamorphose beschreiben könnte. Und in eben dieser Metamorphose sind alle Interpretationsmöglichkeiten zu vermuten, die hier ansatzweise wiedergegeben wurden.
Auszug aus dem Text von Georg F. Schwarzbauer "Marginalien zu den Handzeichnungen von Wolfgang Stiller". Katalog: "Stiller Zeichnungen" 1994, Pfalzgalerie Kaiserslauten, Galerie Epikur, Wuppertal